Kälte, Wind, Trockenheit, Feuchtigkeit und Hitze sind so genannte äussere pathogene Faktoren (PF) und können Auslöser für Erkältungskrankheiten sein. Sie können uns das ganze Jahre über befallen. “Hochsaison“ sind aber Frühling, Herbst und vor allem der Winter.
Bei einem gesunden Menschen ist das „Qi“ (Lebensenergie) in harmonischem Fluss, die Funktionen der Organe sind ungestört und kräftig, der Körper kann PF abwehren. Durch Stress, Überarbeitung, unregelmässiges Essen, emotionale Belastungen etc., schwächen wir das Qi des Körpers, und es entsteht ein momentanes Ungleichgewicht zwischen dem PF und dem Qi des Körpers. So kann bei einem stark geschwächten „Qi“ bereits ein relativ milder PF eine Erkältung auslösen. Natürlich kann auch ein äusserst starker PF eine Erkältung auslösen, ungeachtet der Stärke des „Qi“ des Körpers.
Nach Chinesischer Auffassung durchläuft eine Erkältung verschiedene Stadien. Im Frühstadium (welches ein paar Stunden oder gar nur Minuten dauert), treten typische Symptome wie Halskratzen, ein erstes Frösteln, häufiges Niesen etc. auf. In einer nächsten Phase dringt der PF tiefer in den Körper ein und es kommt zu Husten, Schnupfen, Fieber etc. Ziel der TCM ist es, Krankheitsentwicklungen frühzeitig zu erkennen, und mittels therapeutischen Impulsen, die sich anbahnenden Abweichungen zu korrigieren und die Balance wiederherzustellen.
Wenn es zum Beispiel gelingt, im Frühstadium den Infekt mittels Akupunktur und Erkältungsrezepturen auszuleiten, ist die Sache innert kürzester Zeit ausgestanden.
Ist der PF tiefer in den Körper eingedrungen, eignet sich die TCM dazu, die Krankheitsdauer zu verkürzen, und die Symptome zu mildern.
So oft das Wort gebraucht wird, so ungenau ist es auch. Die Erkrankung Heuschnupfen hat eigentlich weder unbedingt mit Heu noch mit einem normalen Schnupfen etwas zu tun.
"Pollinose", "saisonale allergische Rhinitis", "Pollenrhinopathie" sind nur einige der Begriffe, welche in der westlichen Medizin gebraucht werden.
Aus Sicht der Chinesischen Medizin ist Heuschnupfen eine Schwäche des körpereigenen Abwehrsystems. Dieses kann mittels Akupunktur und Kräutertherapie aufgebaut und gestärkt werden. Im Spätsommer und Herbst ist also die Zeit, um mit dieser Prophylaxe zu beginnen.
Wenn der Heuschnupfen ausbricht, behandelt man mindestens 1x wöchentlich weiter. Wie viele Sitzungen nötig sind, ist sehr individuell. Der Heuschnupfen sollte sich jedoch von Jahr zu Jahr abschwächen.
Schmerzen im Kreuzbereich (Lumabalregion) und Verspannungen im Nacken sind häufige Beschwerden des Bewegungsapparates.
Die TCM unterteilt Schmerzen im Rücken nach Ursachen und Symptomatik. Einer der häufigsten Auslöser ist das Eindringen von Wind, Kälte und Nässe (pathogene Faktoren). Wie dringt ein pathogener Faktor in den Körper ein? Grundsätzlich ist das nur möglich wenn wir in einem Ungleichgewicht sind, und der Körper pathogene Faktoren nicht abwehren kann. Da wir es verlernt haben, auf unseren Körper zu „hören“, nehmen wir aber „Ungleichgewichte“ nicht, oder zu spät wahr . Wir schwitzen, und wenn es kühler wird, lassen wir uns viel Zeit, wieder etwas warmes, trockenes anzuziehen. Es beginnt zu regnen, aber wir machen die Arbeit noch schnell fertig, ohne uns vor der Nässe zu schützen. Nicht zuletzt führen Modetrends dazu, dass wir nicht optimal gekleidet sind. Dies ist nur eine kleine Auswahl von alltäglichen Situationen, die dazu führen können, dass ein pathogener Faktor eindringen kann. Hat sich ein pathogener Faktor im Körper eingenistet, ist der Kreislauf von Qi und Blut in den Leitbahnen beeinträchtigt. Es kommt zu Blockaden, was Schmerzen, Schweregefühl, Steifheit und Taubheit hervorrufen kann.
Weitere mögliche Ursachen für Rückenschmerzen sind übermässige, körperliche Anstrengungen, stundenlanges Arbeiten ohne Pausen, eine angeborene Schwäche von Yin oder Yang in der Niere, ein Trauma, und nicht zu vergessen, mangelnde Bewegung.
Entsprechend dem jeweiligen Beschwerdebild wird eine geeignete TCM-Therapie zusammengestellt. Mögliche Anwendungen sind Akupunktur, Schröpfen, Gua Sha, Moxibustion und/oder chinesische Kräuterrezepturen.
Chinesische Ernährungslehre, oder bekannter als Kochen nach 5 Elementen.
Was der Urvater der westlichen Medizin, Hippokrates, bereits sagte, gilt auch für die Chinesische Ernährungslehre: Unsere Nahrungsmittel sind unsere Heilmittel.
Das Grundprinzip der Chinesischen Ernährungslehre ist die Harmonie. Thermik und Geschmack einer Mahlzeit sollen ausgeglichen sein. Eine ruhige, entspannte Atmosphäre während dem Essen bekommt dem Magen (Verdauung) besser, als hitzige, ernsthafte Diskussionen.
Die Chinesische Ernährungslehre spricht nicht von gesund oder ungesund, sondern von zuviel oder zuwenig. Einseitige Ernährung und industriell verarbeitete Nahrungsmittel führen zu Disharmonien im Körper, es kommt zu Beschwerden. z.B. zu viele warme oder heisse Nahrungsmittel können Schlafstörungen, Gereiztheit und weitere Hitze oder Yin-Mangel-Probleme auslösen. Zu viele kalte oder kühle Nahrungsmittel können Erkältungsanfälligkeit, Übergewicht, ständiges Frieren, Verdauungsprobleme, depressive Verstimmungen und weitere Kälte- oder Yang-Mangel-Störungen auslösen. Eine Person mit einem Yang-Mangel (zuwenig Wärme), wird also mit einer Rohkost-Diät kaum Gewicht verlieren.
Die Nahrungsmittel werden nach Geschmack, Thermik, Farbe und Organwirkung den 5 Elementen zugeordnet. Man achtet auf die Saison, und kocht mit heimischen, naturbelassenen Nahrungsmitteln. Daraus ergibt sich, dass im Winter wärmendes, im Sommer eher kühlendes gegessen wird.
Mit der Thermik ist nicht die Esstemperatur gemeint, sondern die Wirkung auf den Organismus. Zum Beispiel wirkt ein Pfefferminztee kühlend, ein Ingwertee wärmend.
Die Geschmäcker werden nach der 5-Elemente-Lehre den Organfunktionskreisen zugeordnet. Saures hat einen Bezug zur Leber, bitteres zum Herzen, süsses zur Milz, scharfes zur Lunge, salziges zur Niere. Ein übermässiges Verlangen, oder eine Abneigung für eine Geschmacksrichtung, kann einen Hinweis auf ein Ungleichgewicht im entsprechenden Funktionskreis sein.
In der TCM kann mittels 5-Elemente-Ernährung eine deutliche Verbesserung von Disharmonien erreicht werden. Je nach Diagnose wird die Ernährung angepasst. Der angepasste Menüplan soll nicht eine Diät werden, sondern eine Ernährungsform. Essen soll schmecken, und Vergnügen bereiten.
Die Ohrakupunktur, auch Aurikulotherapie / Aurikulomedizin genannt, ist eine Sonderform der Akupunktur.
Erste schriftliche Erwähnung findet man im Nei Jing (Der gelbe Kaiser, Grundlagenwerk der TCM) und bei Hippokrates. Im Westen wurde vom 17. bis zum 19. Jahrhundert mehrmals von Heilerfolgen durch Behandlungen am Ohr berichtet. In den 50er Jahren entdeckte der französische Arzt Dr. Paul Nogier die Therapieform zufällig. Nogier bemerkte bei mehreren seiner Patienten kleine Brandnarben an einem bestimmten Punkt am Ohr. Die Patienten erzählten von einer Heilerin in Marseille, welche diese Stelle am Ohr mit einer glühende Nadel behandelte, um Ischialgien zu heilen. Und tatsächlich verschwanden die hartnäckigen Schmerzen. Nogier forschte weiter und fand heraus, dass der ganze Körper und alle Organe als Reflexpunkte in der Ohrmuschel abgebildet sind. Mit diesen Erkenntnissen entwickelte er schlussendlich die Ohrkarte. Das Bild, eines auf dem Kopf liegenden Embryos, hat noch heute seine Gültigkeit.
Die Untersuchung der Ohrreflexzonen ermöglicht eine Aussage darüber, wo Schmerzen bestehen oder welche Organe des Körpers bei unklaren Beschwerden betroffen sind. Ausserdem können sogenannte Störherde ausfindig gemacht werden. Störherde schmerzen oft nicht und haben mit dem eigentlichen Krankheitsgeschehen nichts zu tun. Sie können den Körper aber dauerhaft belasten und schwächen, und sind nicht selten Ursache, dass eine bestehende Krankheit nicht auf die üblichen Therapien reagiert.
Wenn also jemand an Schulterschmerzen leidet, reagiert der Schulterpunkt am Ohr. Wird nun dieser Punkt mit einer Nadel gereizt, werden via Hirn, spezifische Heilreize zur Schulter gesendet und Selbstheilungskräfte aktiviert.
Die Ohrakupunktur kann bei vielen Erkrankungen eingesetzt werden und gilt als besonders wirksam bei Schmerzzuständen.
Die Untersuchung am Ohr erfolgt mit dem
Agiscop (misst den elektrischen Widerstand)
Drucktaster (Druckempfindlichkeit pathologischer Punkte am Ohr)
Pulsdiagnostik
Die Behandlung am Ohr erfolgt mittels
Ohrakupnkturnadeln (sind kürzer und feiner als Körperakupunkturnadeln)
Dauernadeln (verbleiben mehrere Tage im Ohr)
Elektroimpulsen
In der TCM-Praxis heisst das nun, dass im Herbst, bevor die „Erkältung- und Grippe-Saison“ beginnt, das Wei-Qi gestärkt wird. Zum Einsatz kommen Akupunktur und/oder Kräutertherapie, sowie eine angemessene, gesunde Ernährung.
Das „Wei-Qi“ ist die, von der Lunge kontrollierte, Abwehrenergie. Es umgibt den Körper wie eine unsichtbare Hülle. Ist dieser Schutz, das Wei-Qi, geschwächt, ist der Körper nicht mehr in der Lage, pathogene Einflüsse (Kälte, Wind, etc.) abzuwehren, und es kommt z.B. zu einer Erkältung. Wird diese nicht, oder falsch behandelt, kann die Krankheit tiefer in den Körper eindringen (siehe Beitrag Erkältung).
Rosmarie Wüst
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